| DNA Farbbestimmung Teil
2 von Raymonde Harland und Dr. Volker Wagner erschienen in "katzen extra" 3/06 |
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Die folgende Abbildung zeigt das Ergebnis einer Anpaarung von zwei mischerbigen chocolate/cinnamon Katzen. Die Mutationen liegen in trans-Stellung.

Die von den Eltern vererbten Chromosomen können bei der Bildung der Gameten kleine Teilbereiche untereinander austauschen. Dies ist unter dem Namen Cross-over schon lange bekannt. In der Regel findet dieser Austausch zwischen weiter entfernten Genen statt. Doch keine Regel ohne Ausnahme. Findet das Cross-over zwischen den dicht beieinander liegenden Mutationsorten für chocolate und cinnamon statt, kann ein phänotypisch schwarzes Tier entstehen, dass sowohl chocolate, als auch cinnamon vererbt. Möglich macht dies die so genannte cis-Stellung, bei der wieder ein intaktes Gen für den Wildtyp 'B' entsteht.

Für die tägliche Praxis ist es sicher einfacher, die bisherige Schreibweise beizubehalten, doch sollte man sich immer darüber bewusst sein, dass diese die genetische Realität verkürzt darstellt. Es handelt sich eben nicht, wie bisher angenommen um einen einzigen Mutationsort mit 3 Zuständen: B, b und bl, bzw. C, cs und cb, sondern in beiden Fällen um jeweils 2 unterschiedliche Mutationen an unterschiedlichen Stellen eines Gens. Dies wird auch aus der Geschichte der Farben chocolate und cinnamon klar, die an geographisch unterschiedlichen Orten entstanden. Chocolate tauchte zuerst im asiatischen, cinnamon im afrikanischen Raum auf. Erst durch Züchter, die beide Farben gemeinsam züchten, traten Tiere mit beiden Mutationen zugleich auf.
Züchter B. hat seit vielen Jahren eine Zucht mit Sibirischen Katzen aufgebaut. Diese Rasse darf bei den meisten Vereinen mit Neva Masquarade verpaart werden, eine Colorpoint Sibirian, die meistens nur als Farbschlag und nicht als eigene Rasse angesehen wird. Züchter B. ist da anderer Meinung. Für ihn sind Nevas Siam-Mischlinge, die er auf keinen Fall in seiner Zucht haben möchte. Doch es sind immer seltener Sibirer ohne das Pointmerkmal cs zu finden und vielleicht haben seine Katzen dieses Merkmal unbemerkt schon lange in ihrem Genpool. Der neue Gentest auf das Pointmerkmal bzw. Siammerkmal cs kann hier sofort Klarheit bringen. Nun kann Züchter B. auch seine Zucht auf eine breitere Basis stellen, denn jedes zugekaufte Tier kann er nun testen lassen, ob es Point-Träger ist. So kann er auch Linien in seine Zucht einbeziehen, die er bisher ausgrenzen musste, um diesen Farbschlag zu vermeiden.

Henriette the Fabulous, Sibirische Katze cream-spotted, Point-Träger
Züchterin C. möchte den Farbschlag cinnamon auch in ihrer Rasse haben. Sie stellt ein Zuchtprogramm auf und kreuzt in der ersten Generation eine Rasse ein, bei der es cinnamon schon reinerbig blbl gibt. Alle Kitten sind nun mischerbige Cinnamon-Träger Bbl. Um die Farbe zu erhalten, muss sie nun eine Verpaarung der Cinnamon-Träger untereinander machen, also eine Inzucht-Verpaarung. Verpaart sie einen mischerbigen Cinnamon-Täger mit einem Nicht-Träger aus einer fremden Linie, so sind die Kitten im Phänotyp nie cinnamon, im Genotyp können Kitten nach Mendel aber zu 50 % wieder das Cinnamon-Merkmal bl geerbt haben. Leider sieht man es von Außen dem Tier nicht an. Nur eine Testverpaarung konnte bisher Sicherheit bringen, welche Kitten für die weitere Cinnamon-Zucht in Frage kommen. Mit dem neuen Gen-Test können sie sofort nach der Geburt identifiziert werden und eine Farbzucht mit niedrigem Inzuchtkoeffizienten wird so möglich.
Züchterin H. hat immer wieder sehr dunkle Tiere in ihrer Ragdoll Zucht. Da am Anfang dieser Rasse nicht nur ein Kater mit Birmatyp, sondern auch ein der Burma ähnlicher Kater stand, hegt sie seit langem den Verdacht, dass diese dunkleren Raggies das Merkmal cb der Burma tragen. Der Gentest kann nun das Geheimnis lüften.
Züchter M. hat immer wieder sehr braune Maine Coon Kitten im Nest. Bei den black-tabbys ist ein warmer Ton ja auch gewünscht, aber die solid schwarzen sollten keinen Braunstich haben. Züchter M. fragt sich, ob der Braunstich nur auf Umwelt- oder Rufismuseinfluss zurückzuführen ist, oder ob nicht doch das Merkmal bzw. die Mutation für chocolate bei dieser Naturrasse gegen jeden Standard im Genpool zu finden ist. Möglich wäre es, denn es gibt einige Ahnen, die im Stammbaum die Farbbezeichnung chocolate haben. Auch hier kann der Farbgentest Sicherheit bringen.

Tessa vom Silvan, Burma, seal, reinerbig für Bumese cb
Bei der Wurfabnahme rätseln Züchterin Z. und ihr Zuchtwart über einem Wurf Tonkanesen. Die Farben fallen bei zwei Kitten zu dunkel für eine Siam und zu hell für einen Tonkanesen aus. Um die Kitten der richtigen Rasse zuzuordnen, können sie sich jetzt auf den Gentest verlassen.
Im Zwinger Z. gibt es einen Wunderkater. Er ist ein schwarzer Orientalisch Kurzhaar. Wird er mit einer chocolate Kätzin verpaart, gibt es chocolate und schwarze Kitten. Verpaart man ihn mit einer cinnamon Kätzin, so fällt schwarz und cinnamon. Nach bisheriger Meinung kann das nicht möglich sein. Doch hier könnte das oben erklärte Cross-over des Rätsels Lösung sein. Der Wunderkater hat sehr wahrscheinlich die seltene cis-Stellung der Mutationen 'b' und 'bl' in seinem Erbgut. Der Gentest bringt letzte Klarheit. Die Abbildung liefert die mögliche genetische Erklärung.


Man kann sich noch viele Beispiele denken. Für viele Gebiete der Katzenzucht kann der Gentest angewendet werden, ob auf Wunsch des Züchters oder des Zuchtbuchamtes. Durch Kenntnis des korrekten Genotyps kann der Züchter nun gezielt Anpaarungen durchführen und so die gewünschten Farbschläge sehr schnell herauszüchten oder aber auch vermeiden. Strittige Farben können anhand einer Genanalyse korrekt zugeordnet werden. Der Test ist mit einem Blut- oder Speicheltest leicht durchzuführen und kann bei der Biofocus (Berghäuser Str. 295, 45659 Recklinghausen, Tel. 02361 / 3000-121 oder -222) jederzeit angefordert werden. Für unter 50 € gibt es auf viele Fragen eine sichere Antwort mit einem auf das einzelne Tier bezogenem Zertifikat.